Wir freuen uns sehr, dass unsere Kollegin Theresa Feddersen ab November 2021 Mitglied des diesjährigen treibhaus-Programms ist. Schon viele unserer Kolleg*innen haben ihre Ausbildung auf dem AgenturCampus für KreativKonzeption gemacht und sind innerhalb eines Jahres vom ausgewählten Talent zum zukunftsweisenden Profi geworden. Das Konzept des AgenturCampus treibhaus ist einzigartig: Junge Mitarbeiter*innen verschiedener Agenturen, Studienabgänger*innen sowie Berufs- und Quereinsteiger*innen werden in zwölf Monaten von Expert*innen der Branche ausgebildet. Wir haben mit der neuen Inhaberin Sabine Mayer gesprochen, die das treibhaus in diesem Jahr von Annette Beyer übernommen hat.

 

WAS STECKT HINTER DEM KONZEPT TREIBHAUS?
 

Sabine: Das treibhaus wurde 2008 von Annette Bayer ins Leben gerufen, weil der Bedarf an jungen Kreativen sehr hoch war, aber die kreativen Nachwuchskräfte fehlten. Annette hat mit diesem dualen Einstieg in die Kreativ-Konzeption etwas geschaffen, das einmalig ist in der Branche. Die Barrieren der verschiedenen Agenturen werden aufgebrochen und statt in Konkurrenz zu treten, bilden sie gemeinsam eine neue Konzepter*innen-Generation aus. Dieser Gedanke ist absolut zeitgemäß: Wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der wir unser Wissen nicht horten wie einen Schatz, sondern unser Know How teilen, um weiter zu kommen. Die Angst, dass Kunden an die Konkurrenz verloren gehen, ist unbegründet, vielmehr bereichern sich die Agenturen durch den Austausch gegenseitig.

 

WIE WIRD IM TREIBHAUS WISSEN VERMITTELT?
 

Sabine: CEOs, CDs und leitende Kreative großer Agenturen, kurzum die Koryphäen der Branche, geben ihr Wissen an junge Menschen weiter. Aber nicht nur die alteingesessenen Profis der Branche teilen ihre Erfahrung, sondern auch unsere jungen Teilnehmer*innen bringen kreativen Input. Bei den Lehrinhalten geht es also nicht nur um Frontalbeschallung, sondern um Impulse und Austausch zwischen jungen und erfahrenen Leuten. Das Kernprinzip des treibhaus lautet: durch Workshops Inhalte vermitteln. Erst werden einzelne Wissenspakete unterrichtet, danach geht es in die Praxis. Ganz unterschiedliche Dozent*innen haben praktische Aufgaben dabei, die in Gruppen bearbeitet werden. Zusätzlich zum eigenen Agentur-Alltag erhalten die jungen Talente so einen Eindruck unterschiedlicher Branchenspezialisten. 
 

WIE IST DER TREIBHAUS ABLAUF? UM WELCHE INHALTE GEHT ES?
 
Sabine: Die feste Gruppe eines Jahrgangs trifft sich ein Jahr lang zwölf Mal. Jeden Monat findet ein viertägiges Modul statt, das aus verschiedenen Workshops besteht. In den ersten drei Monaten starten wir mit dem kreativen Handwerkszeug. Wie lese ich ein Kundenbriefing? Wie interpretiere ich eine Markenstrategie? Wie texte ich meine Idee so, dass sie verstanden und gekauft wird? Wie entwickle ich passgenaue Lösungen? Was uns wichtig ist: Wir wollen eine Generation ausbilden, die Inhalte hinterfragt. Die jungen Leute sollen nicht jedes Briefing unreflektiert annehmen, sondern verstehen, was genau die Herausforderung ist. Erst dann geht es an die Ideen-Entwicklung und an das Ausarbeiten von entsprechenden Maßnahmen. 

Das treibhaus hat sich in den letzten Jahren gewandelt: raus aus der reinen Live-Kommunikation hin zur Kreativ-Konzeption. Und deshalb geht es im zweiten und dritten Block um Kommunikation im digitalen und realen Raum. Wir wollen vor allem auch Digitalkompetenz vermitteln und besprechen, wie Nutzeroberflächen gestaltet sein müssen oder wie ich eine Dramaturgie aufbaue, um einen User digital zu leiten. Dabei geht es eben auch um die Unterschiede zwischen digitalem und echtem Leben. Unser Ziel ist es, dass die jungen Leute Dachideen entwickeln und diese dann analog und digital anwenden können. Und das vierte Quartal beschäftigt sich mit gesellschaftsrelevanten Themen wie Nachhaltigkeit und Equality. Auch die Abschlussarbeit findet hier statt. Jede*r darf ein echtes Kundenbriefing bearbeiten und vor einer Jury aus vier CDs präsentieren. 

WER KOMMT ZU EUCH INS TREIBHAUS?
 

Sabine: Oft haben Agenturen junge Talente in Anstellung, die sie fördern wollen. Sie glauben an diese jungen Menschen und schicken sie ins treibhaus. Da sind dann auch Leute aus verwandten Bereichen dabei wie aus dem Projektmanagement oder der Art Direktion. Das treibhaus dient als Vehikel, um den Schritt in die Konzeption zu machen. Jeder Jahrgang hat eine spannende Mischung mit heterogener Altersstruktur. Es sind Leute dabei, die z.B. Medien und Kommunikation, Architektur und Szenografie oder Geisteswissenschaften studiert haben. Genauso haben wir immer wieder Quereinsteiger, die oft aus künstlerischen Bereichen wie dem Theater oder der Musik kommen.

 

WIE IST DEINE EIGENE TREIBHAUS-GESCHICHTE UND WELCHE AUFGABEN HAST DU DORT?
 

Sabine: Ich leite das treibhaus. Das heißt, ich organisiere und doziere. Ich kümmere mich um das Recruiting und schaue nach jungen Talenten, zum Beispiel an Hochschulen. Dort gucke ich mich bei den interessanten Studiengängen um wie Architektur oder Live-Kommunikation. Außerdem unterrichte ich die Basis-Skills: Wie baue ich ein gelungenes Konzept auf? Welche Story erzähle ich? Wie ist jede einzelne Slide verständlich? Wie fessle ich die Zuhörer*innen von der ersten Ideenskizze bis zum Feinkonzept? Ein großer Teil der Workshops wird von den Kreativ-Direktor*innen oder den Geschäftsführer*innen der Partner- Agenturen gegeben. Sie unterrichten jeweils ihre Herzensthemen. Außerdem haben wir viele freie Dozenten und erhalten so einen Lehrplan, der alle relevanten Inhalte abdeckt.


Ich selber war beim ersten treibhaus-Jahrgang dabei und habe danach sechs Jahre in der Live-Kommunikation gearbeitet. Dann kam der Switch ins Digitale mit Fokus auf Social Media. Ich habe unterschiedliche Teams von bis zu 13 Kreativen geführt. Dann wollte ich mich in den Bildungsbereich weiterentwickeln, und in dem Kontext sprach mich Annette an. Sie hatte vor, das treibhaus abzugeben, und ich war bereit für eine neue Herausforderung.  Wir haben nun eine lange und gute Vorbereitungszeit hinter uns und haben die Corona-Pause genutzt, um den Relaunch und die Neu-Positionierung voranzutreiben. Wir wollen mit dem treibhaus auch in Zukunft Menschen auf ihrem Weg begleiten und sie in ihrem Potential unterstützen. Das geht besonders gut mit jungen Talenten, die noch einen Weg vor sich haben. Seit September 2021 habe ich das treibhaus komplett übernommen und starte jetzt im November mit einem voll besetzten neuen Jahrgang. 

 

Das erste Modul findet in der Agentur DO IT! in Düsseldorf statt. Der CEO Ercan Aslan und der treibhaus Absolvent Florian Braun werden den Kick-Off-Workshop ausrichten. Christoph Nitz, freier Creative Director, macht eine Session zum Thema „Freigeist statt Kreativbeamte“, in der es darum geht, wie ein Briefing gelesen wird. Die Teilnehmer*innen lernen, wie sie die entscheidenden Infos rausholen, um kundenzentriert arbeiten zu können. Außerdem ist unser Stammdozent Kristoffer Heilemann von der BBDO dabei oder Eike Rojan, Creative Planning Director und ehem. Ogilvy & Mather Kollege. Also ein hochkarätig besetztes Wochenende, auf das wir uns schon alle sehr freuen. Zusätzlich zu den Workshops gibt es auch pro Stadt ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. Wir werden im nächsten Jahr u.a. nach Kassel zur documenta fahren. 

 

Über Sabine Mayer:
Sabine Mayer ist die neue Inhaberin des treibhaus. Als eine der ersten Absolventinnen des Jahrgangs 2008 begann sie hier ihre Karriere und war danach in Live- und Digitalagenturen tätig. Sie wechselte zu Deutschlands erster Social Media Agentur TLGG. Als Creative Director leitete sie die Ogilvy-Unit-Content Cube und als Head of Concept war sie im Digital Studio Parasol Island beschäftigt.
 
Unsere Agentur schickt Theresa Feddersen ins treibhaus. Sie hat bei uns ihre Ausbildung gemacht und verschiedene Stationen in der Agentur durchlaufen, wobei ihr der Bereich Konzeption besonders Spaß machte. Sich aus dem Nichts eine Kampagne oder ein Event ausdenken, das war genau ihr Ding. Deshalb wollte sie unbedingt mehr Wissen aufbauen. Eine ehemalige Kollegin schwärmte von ihrer treibhaus-Zeit und legte ihr ans Herz, die duale Ausbildung dort zu machen. So kam es dazu, dass Theresa sich beworben hat. Ihr Ergebnis war beeindruckend und sie wurde genommen, obwohl die meisten Teilnehmer*innen studiert haben und mehr Erfahrung mitbringen. Theresa freut sich besonders auf den Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen und das Kennenlernen der verschiedenen Agenturen.

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